
Verkehrssicherheit in der Seckenheimer Straße: Bestandsaufnahme und Forderungen
Die Seckenheimer Straße ist ein Unfallschwerpunkt für Radfahrende – nicht punktuell, sondern strukturell. Wir zeigen die Ursachen und fordern Tempo 30, sichere Radwege und mehr Kontrolle.
Die Seckenheimer Straße ist die zentrale Geschäftsstraße (eine sogenannte Sammelstraße) der Schwetzingerstadt. Sie verläuft vom Tattersall im Westen bis zur Augustaanlage im Osten und ist geprägt von Läden, Gastronomie und dichter Wohnbebauung. Entsprechend viel ist hier los: Menschen zu Fuß, auf dem Rad und im Auto teilen sich einen engen Straßenraum mit Parkplätzen am Fahrbahnrand und viel Liefer- und Durchgangsverkehr. Dazu kommt die Straßenbahn: Die Gleise der Linie 6 verlaufen mitten durch die Straße. Damit ist die Straße eine wichtige Alltagsverbindung zwischen Innenstadt und Oststadt - nicht nur für den Radverkehr.
Auf der Seckenheimer Straße gilt ein Flickenteppich an Geschwindigkeitsregelungen: streckenweise Tempo 50, streckenweise Tempo 30 nur nachts, streckenweise Tempo 30 ganztägig, obwohl die Straße im Lärmaktionsplan der Stadt durchgängig für Tempo 30 vorgesehen ist. Ähnlich uneinheitlich ist die Radverkehrsführung: Der benutzungspflichtige Radweg verläuft an manchen Stellen als Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, zwischen den Straßenbahnschienen und parkenden Autos – also genau in der Dooring-Zone, in der unachtsam geöffnete Autotüren zur ernsten Gefahr werden. An anderen Stellen verläuft er auf dem Gehweg (als getrennter Rad- und Fußweg), wo es zu Konflikten mit Fußgängerinnen und Fußgängern kommt.
Dazu kommt, dass der Radweg und Radfahrstreifen regelmäßig von falsch parkenden Autos und Lieferfahrzeugen blockiert werden, sodass Radfahrende immer wieder unvermittelt in den fließenden Verkehr oder über die Schienen ausweichen müssen.
Für den Radverkehr ist auf der Seckenheimer Straße eine hohe Unfallhäufung festzustellen: Nach unseren Berechnungen gab es hier zwischen 2016 und 2025 mindestens 33 Unfälle des Radverkehrs (sowie 6 weitere Unfälle mit Fußgängern) auf knapp 1,5 Kilometern Länge; dabei wurden drei Radfahrende schwer verletzt. Anders als bei anderen Unfallschwerpunkten wie der Friedrich-Ebert-Straße oder der Steubenstraße konzentrieren sich die Unfälle dabei nicht auf einzelne Kreuzungen, sondern verteilen sich über die gesamte Länge der Straße. Die Unfallursachen spiegeln die beschriebenen Mängel wider: Autos, die beim Ein- und Abbiegen Radfahrende übersehen, Konflikte mit dem Fußverkehr auf den gemeinsam genutzten Flächen, Stürze durch die Straßenbahnschienen (vermutlich mit sehr hoher Dunkelziffer, denn Alleinunfälle ohne Beteiligte werden nur sehr selten polizeilich erfasst) sowie Dooring-Unfälle durch unachtsam geöffnete Autotüren. Gerade diese Verteilung über die ganze Straße zeigt: Es handelt sich nicht um ein punktuelles Problem, das sich mit einer einzelnen Maßnahme beheben ließe, sondern um ein strukturelles Defizit der gesamten Straße.
Um die hohe Anzahl an Unfällen zu reduzieren, fordern wir:
- Die konsequente und zügige Umsetzung des Lärmaktionsplans mit durchgängigem Tempo 30 auf der gesamten Seckenheimer Straße – ohne die bisherigen Lücken und Ausnahmen für einzelne Streckenabschnitte oder Nachtstunden.
- Die Aufhebung der Benutzungspflicht der Radwege, insbesondere im Bereich der Straßenbahnhaltestellen, damit Radfahrende selbst entscheiden können, ob sie zwischen den Gleisen (wie z. B. in der Schwetzinger Straße) oder auf dem separaten Radweg fahren.
- Die Kennzeichnung dieser Wahlmöglichkeit durch Piktogramme an den Haltestellenbereichen, damit für alle – auch für Autofahrende – eindeutig erkennbar ist, dass Radfahrende zwischen den Gleisen fahren dürfen.
- Deutlich mehr Lieferzonen und Kurzzeitparkplätze für Lieferanten, Handwerker und Pflegepersonal tagsüber, um Falschparken auf Rad- und Fußwegen zu verhindern und den Ausweichdruck auf Radfahrende zu senken (eine solche Lieferzone gibt es bereits auf Höhe der Seckenheimer Str. 60).
- Den Einsatz von Scan-Cars zur systematischen Kontrolle und Ahndung von Falschparken auf Rad- und Fußwegen, da punktuelle Kontrollen durch das Ordnungsamt allein nicht ausreichen.
- Die Absenkung von Bordsteinkanten an neuralgischen Punkten (z. B. gegenüber der Werderstraße), um Ausweich- und Sturzunfälle zu vermeiden.
