
Aktive halten das Banner "Hier fehlt ein Radweg" und Radfahrende mit Poolnudeln am Gepäckträger fahren vorbei © Ralf Gandenberger
Wie viel Platz braucht ein Fahrrad?
Der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf hat bei einer Fahrt auf der Dietigheimer Straße gezeigt, wie viel Platz ein Fahrrad benötigt und beklagt, dass alle Radfahrstreifen in Bad Homburg zu schmal sind.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat bei einer Fahrt auf beiden Seiten der Dietigheimer Straße gezeigt, welchen Platz ein Fahrrad benötigt. Dazu hatten die Radfahrenden Schwimmnudeln mit einer Länge von 1,6 m an ihren Rädern befestigt und fuhren damit zunächst vom Untertor in Richtung Höhestraße. Mit einem Banner machte der ADFC hier darauf aufmerksam, dass auf dieser Straße ein Radweg fehlt, nachdem der ohnehin viel zu schmale Radfahrstreifen von der Stadt Bad Homburg entfernt wurde. Ralf Gandenberger, Vorsitzender der Ortsgruppe Bad Homburg/Friedrichsdorf des ADFC, hebt hervor, dass Kraftfahrzeuge nach der Straßenverkehrsordnung damit einen Überholabstand von 1,5 Metern zu Radfahrenden einzuhalten haben. Sollte dies nicht möglich sein, gilt rechtlich ein Überholverbot! Obwohl der äußere Rand der Nudel den einzuhaltenden Abstand noch nicht ausreichend wiedergibt, zeigen die Bilder deutlich, dass ein Überholen von Radfahrenden nur mit einem Spurwechsel durch die Auto fahrenden möglich ist. Jochen Salow vom Vorstand der Ortsgruppe erläutert dazu: „Der Überholabstand wird vom äußeren linken Rand des Rads gemessen, was meistens das Ende des Lenkers oder eines Spiegels ist. Die Nudel ist aber am Gepäckträger befestigt und steht damit ca. 60 cm weniger heraus, als der Überholabstand sein muss.“
Auf der Rückfahrt von der Höhestraße zur Saalburgstraße hat die Fahrt mit der Nudel klar illustriert, dass der dort eingezeichnete Radfahrstreifen viel zu schmal ist. Denn auch hier steht die Schwimmnudel deutlich über den Radfahrstreifen hinaus, so dass ein Überholen mit einem sicheren Seitenabstand nur bei einem Fahrspurwechsel möglich ist. Tatsächlich fahren aber fast alle Fahrzeuge an Rädern ohne Nudel direkt an der Linie entlang, was einem Überholabstand von ca. 70 cm entspricht. Das ärgert Richard Jost, ebenfalls Vorstand der Ortsgruppe Bad Homburg/Friedrichsdorf: „Radfahren hat noch ein riesiges Potential in Bad Homburg, aber gerade unsichere und ältere Menschen meiden Straße mit zu schmalen Radfahr und Schutzstreifen. Viele Bad Homburger Eltern lassen dort ihre Kinder nicht mit dem Fahrrad fahren, obwohl es eigentlich ein wichtiger Schulweg zur Humboldt- und Hölderlinschule ist."
Der ADFC hält fest, dass es in Bad Homburg bestenfalls mit der Frölingstraße von der Urseler Straße bis zur Horexbrücke einen ausreichend breiten Radweg gibt. Ralf Gandenberger ist besonders enttäuscht, dass selbst die neu geplanten Radwege nur die absolute Mindestbreite aufweisen, um gerade noch legal zu sein. „Das ist leider sehr schlechte Radverkehrsplanung. Straßen wie die Schleußnerstraße oder die gerade umgestaltete Thomasstraße sehen vielleicht nett aus, vorbeifahrende Busse oder LKW müssen aber extrem eng an Radlern vorbei fahren. Dies hat damit zu tun, dass der Fahrbahnquerschnitt nicht verändert wird und Radfahrstreifen neben die Fahrspuren gequetscht werden. Die Kfz-Spuren werden auf das Äußerste verengt, so dass Kfz häufig über die Linien für Radfahrende fahren müssen.“ Und noch ein Punkt ärgert den ADFC massiv: Eigentlich hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass Parkplätze auf den Straßen verringert werden und die Kfz die Parkhäuser nutzen sollen. Aber wenn es dann konkret wird, seien ein paar Parkplätze wichtiger als die Sicherheit der Radfahrenden, wie jetzt gerade wieder in der Thomasstraße bergab. Andere Städte wie Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden machen vor, wie gute Radinfrastruktur funktioniert und haben seitdem den Radverkehrsanteil erheblich gesteigert. Die neuen Radfahrenden sitzen nicht mehr im Auto, so dass für diejenigen, die wirklich auf das Auto angewiesen sind mehr Platz auf den Straßen zur Verfügung steht. Der ADFC gibt die Hoffnung nicht auf und appelliert an die neuen Stadtverordneten, zukünftig mehr an die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Kinder und ältere Menschen zu denken.


